Rothirsche ziehen durch unsere Wälder. Gleichzeitig entstehen Bike-Trails, von denen manche gar nie bewilligt wurden. Wie passt das zusammen? Genau darüber haben die Jägerinnen und Jäger des Bezirks Muri in Bettwil diskutiert. Für Adrian Seiler war es die erste Bezirksversammlung als Obmann.
Bike-Trails: Ja zum Plan, aber nicht zum Wildwuchs
Ein geregeltes Mountainbike-Netz auf dem Lindenberg: Das soll das Projekt Biktrails Lindenberg bringen. Dahinter stehen die Repla Oberes Freiamt, der Verein Sport- und Freizeitförderung Lindenberg und Idee Seetal. Auch die Jäger reden mit, laut Seiler allerdings nur am Rand. Gegen offizielle Trails sind sie nicht grundsätzlich. Ihr Punkt ist ein anderer: Wer neue Wege plant, muss auch etwas gegen die bereits vorhandenen illegalen Pisten unternehmen.
Solche Trails begegnen den Jägern im Wald immer wieder. Dass bisher niemand dagegen einschreitet, stört sie. Sie wollen dranbleiben, damit die Tiere ruhige Rückzugsorte behalten. Guido Heggli, Vizepräsident von Jagd Aargau, sieht den Druck durch Freizeitaktivitäten wachsen: Immer mehr Menschen nutzen den Wald, während dem Wild weniger ungestörter Platz bleibt. Für alle, die auf dem Lindenberg unterwegs sind, ist das ein Thema. Schau also hin, welche Wege du nutzt.
Ob bereits im nächsten Frühling ein fertiger Vorschlag für das Wegnetz des Bikeprojekts Lindenberg auf dem Tisch liegt? Seiler zweifelt daran. Erst jetzt hätten die Jäger erfahren, wie die Finanzierung gedacht ist. Die Kosten sollen über Beiträge sämtlicher Gemeinden verteilt werden.
Auch in Merenschwand gab es ein Gesuch für einen Biketrail, dort entlang der SBB-Linie. Es erhielt keine Bewilligung, unter anderem wegen der Grundwasserschutzzone. Die Gemeinde prüft nun, ob sie sich dem Projekt Lindenberg anschliesst.
Rothirsche sind zurück, die Regeln ändern sich
Nicht nur die Velowege sorgen für Gesprächsstoff. Seit 2023 ist der Rothirsch in der Region nachgewiesen, inzwischen sogar in Rudeln. Adrian Baumberger, Hegeringleiter Rotwild, freut sich über diese Entwicklung. Für die Jagd arbeiten die Reviere zusammen: Sie beobachten die Tiere gemeinsam, stimmen ihre Strategie ab und teilen sich eine Abschussquote. Für dieses Jahr liegt sie bei acht Tieren; sieben Abschüsse sind noch offen.
Baumberger blickt aber mit gemischten Gefühlen auf den Jahreswechsel. Der Kanton hat die Jagdgebiete in Wildräume gegliedert. Zunächst stand für den Bezirk Muri ein Gebiet mit mehr als 40 Revieren im Raum. Dagegen konnten sich die Jäger wehren. Nun bildet der Bezirk einen eigenständigen Halb-Wildraum.
Neu wird ein Mindestabschuss verlangt. Ein Tier darf zudem nur erlegt werden, wenn eine kantonale Verfügung das zulässt. Für Baumberger schränkt das die Entscheidungsfreiheit der Reviere kräftig ein. Wird das Ziel innerhalb von zwei Jahren verfehlt, drohen Folgen: Der Kanton könnte im Januar Drückjagden anordnen oder die Pächter sämtliche Schäden übernehmen lassen.
Jagd Aargau will mehr leisten und braucht dafür Geld
Heggli kennt den Bezirk gut: Er war hier lange Obmann. An der Versammlung überbrachte er Grüsse von Jagd Aargau und stellte die Vision 2030 vor. Der Verband will professioneller arbeiten, früher auf Probleme reagieren und seine Kräfte besser bündeln. Neben dem zunehmenden Betrieb im Wald beschäftigt ihn auch Kritik an der Jagd, besonders in den sozialen Medien. Die Organisation soll dafür neu aufgestellt werden, mit anders verteilten Ressorts sowie einer neuen Zusammensetzung von Geschäftsleitung und Ausschuss.
Auch die Geschäftsstelle braucht mehr Arbeitszeit. Der Geschäftsführer habe bisher jedes Jahr rund 430 Stunden freiwillig geleistet. Für Heggli ist klar: So läuft es nicht dauerhaft. Ein höheres Budget und höhere Mitgliederbeiträge stehen deshalb zur Diskussion. Zugleich weist er darauf hin, dass der Kanton die Pachtzinse gesenkt hat. Die Jagd werde dadurch künftig insgesamt nicht teurer.
Am 25. April gehts in Merenschwand weiter
Über die Beiträge entscheidet die nächste Versammlung von Jagd Aargau am 25. April in Merenschwand. Das Organisationskomitee steht bereits. In den nächsten Wochen beginnt die konkrete Suche nach Helferinnen und Helfern. Seiler zählt dabei auch auf einige der 134 Jägerinnen und Jäger im Bezirk Muri: Gemeinsam wollen sie eine Generalversammlung auf die Beine stellen, die ihrem Namen gerecht wird. Wer aus der Community packt mit an?
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