Hey, Hast du schon gehört?
Es ist ein ganz normaler Nachmittag, und plötzlich - pfff - alles aus! Kein Kühlschranksummen mehr, kein WLAN, und das E-Auto? Ladet nicht mehr. Willkommen in der Realität von Bettwil im Sommer 2026, willkommen beim vierten Stromausfall des Jahres.
Ein Gewitter als Spielverderber
Es war Samstag, der 18. Juli, 14:34 Uhr. Ein Gewitter zieht über den Lindenberg und plötzlich sitzen wir alle im Dunkeln. Nicht nur wir in Bettwil, sondern auch in Boswil, Fahrwangen, Meisterschwanden, Sarmenstorf und Seengen. Laut AEW, dem Energieversorger, ist das Gewitter schuld. Nach weniger als 30 Minuten, genau um 16:17 Uhr, kam die Entwarnung. Erinnerst du dich? Genau das Gleiche passierte bereits Anfang Juli schon einmal. Ein Gewitter und das gleiche Sextett im Dunkeln. Und nein, es war kein Jahrhundertsturm, nur ein ganz normales Sommergewitter. Und trotzdem kollabiert das Netz jedes Mal.
Bettwil und sein Autarkie-Traum
Jetzt wird's interessant. Denn Bettwil ist kein gewöhnliches Dorf, das sich mit seiner Stromversorgung abfindet. Nein, Bettwil hat grosse Pläne. Die "Aargauer Zeitung" schrieb sogar, dass Bettwil auf dem Weg zur ersten stromautarken Gemeinde der Schweiz ist. Schon etwa 27 Prozent des verbrauchten Stroms werden hier lokal produziert, und diese Zahl steigt stetig. Wir haben unsere eigene Elektra, sind im Energiepool Freiamt und die Ladestationen an der Schule beziehen ihren Strom direkt von den Photovoltaik-Panels auf dem Dach. Der Gemeinderat hat sogar den Verkauf der Elektra abgelehnt, um die Bemühungen für eine eigenständige und zukunftsorientierte Energiestrategie nicht zu behindern. Autark, unabhängig, zukunftsorientiert - klingt das nicht toll?
Realität trifft auf Autarkie
Aber während auf den Dächern die Sonnenkollektoren in der Sonne glänzen, hängt das ganze Dorf noch an einer Leitung, die bei jedem Gewitter ausfällt. Das ist so, als würdest du einen Tesla fahren, den du aber mit einer Handkurbel starten musst. Die Botschaft lautet: Weg vom Öl, rein in die Wärmepumpe. Weg vom Benziner, rauf aufs E-Auto. Elektrifizieren, elektrifizieren, elektrifizieren. Und der Kanton unterstützt dich mit bis zu 3'000 Franken für die Wärmepumpe. Aber je mehr wir unsere Heizung, Autos und Haushalte ans Stromnetz hängen, desto weniger Spass haben wir, wenn die Steckdose bei jedem Blitzschlag tot ist.
Wasserknappheit: Ein weiterer Dorn im Auge
Nach dem Stromausfall kommt der nächste Aufruf: Wasser sparen! Am 23. Juni rief der Gemeinderat wegen der Trockenheit erneut zum sparsamen Umgang mit dem Trinkwasser auf. Dabei hat Bettwil in den letzten Jahren kräftig in die Wasserversorgung investiert: Rund 250'000 Franken für das Grundwasserpumpwerk Moosmatten und 298'000 Franken in eine neue Wasserleitung. Insgesamt über eine halbe Million Franken! Und trotzdem sollen wir sparen.
Fairerweise muss man sagen...
Die Stromausfälle waren nicht die Schuld des Bettwiler Ortsnetzes, sondern die des übergeordneten Netzes der AEW Energie AG. Und die Wasserknappheit ist weniger eine Frage des kaputten Rohrs, sondern des ausbleibenden Regens. Aber genau hier liegt das Problem.
Der Knackpunkt
Wer "autark" sein will, muss auch autark funktionieren können. Solarpanels auf dem Dach sind schön, aber wenn sie ohne Netz und ohne Speicher einfach abgeschaltet werden, nützen sie uns im Ausfall nichts. Eine Gemeinde, die ihre ganze Zukunft auf Strom baut, kann es sich nicht leisten, bei jedem Gewitter in den Feierabend-Blackout zu gehen. Und eine Gemeinde, die Rekordsummen in Pumpwerk und Leitungen steckt, sollte ihren Leuten mehr bieten als den jährlichen Spar-Appell.
Die Vision ist gut, keine Frage. Aber zwischen "erste stromautarke Gemeinde der Schweiz" und "bitte Kerzen bereithalten" klafft im Moment eine Lücke - so gross wie der Lindenberg.
Also, Bettwil, keep calm - und lad schon mal die Powerbank.
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